Die moderne Onkologie bietet heute ein breites Spektrum an hochentwickelten Therapiemöglichkeiten, die die Überlebenszeit und auch die Lebensqualität vieler Patientinnen und Patienten deutlich verbessern können.
Gleichzeitig stellen sich jedoch zunehmend Fragen nach den Grenzen des medizinisch Machbaren. Wann ist eine Therapie sinnvoll – und wann möglicherweise belastender als hilfreich? Dieser Vortrag beleuchtet aktuelle onkologische Therapiekonzepte, diskutiert die Herausforderungen der Therapiebegrenzung und setzt sich mit den ethischen Fragestellungen auseinander, die die Betroffenen und Ihre An- und Zugehörigen sowie das Behandlungsteam gleichermaßen fordern.
Dr. med. Merwe Carstens ist Chefärztin der Klinik für Hämatologie und Onkologie sowie Palliativmedizin in den Sana Kliniken Lübeck. Seit 2015 ist sie Vorsitzende des klinischen Ethikkomitees. Merwe Carstens ist ausgebildete Ethikberaterin im Gesundheitswesen (nach Vorgaben der Akademie für Ethik in der Medizin), Koordinatorin für Ethikberatung und führt als Trainerin für Ethikberatung Kurse zur Ausbildung von Ethikberatern im Gesundheitswesen durch.
Fortbildungspunkte werden bei der Ärztekammer Schleswig-Holstein beantragt. Im Anschluss an die Veranstaltung findet ab 18 Uhr die Mitgliederversammlung der MEGSH statt. Sie können hierzu im selben Video-Konferenz-Raum verbleiben.
14.November 2025, 16:30 Uhr bis 18:00 Uhr
Online per Microsoft Teams. Den Link erhalten Sie nach Anmeldung bei kontakt@megsh.de
Kommen Sie mit uns ins Gespräch! Die MEGSH e. V. wird auf dem Hospiz- und Palliativtag am 6. September in Husum sowie auf dem Fachtag der Steinburger Palliativtage am 17. September in Itzehoe jeweils mit einem Stand präsent sein.
Zudem weisen wir gerne auf den Vortrag unseres Mitglieds Kathrin Maass-Gehrt auf dem Fachtag in Itzehoe hin: »Wie erkenne ich den Willen der PatientInnen und setze ihn durch?«
Dank an die Mitglieder, welche mit ihrem Engagement für die MEGSH e. V. stehen.

Wir freuen uns auf einen Podcast mit unserem Mitglied PD Dr. Annette Rogge hinweisen zu können: Im Pflege-Podcast »Ein konstruktives Gespräch« greift sie das Phänomen moral distress auf und stellt dessen Bedeutung für den beruflichen Alltag im Gesundheitswesen dar. Ethikberatung kann hierbei eine Unterstützung sein. Der Umgang mit moral distress ist einer der Beweggründe zur Schaffung der Mobilen Ethikberatung im Gesundheitswesen für Schlesiwg-Holstein (MEGSH) e. V. gewesen.
Mit moral distress wird eine psychische Reaktion auf moralisch herausfordernde Situationen beschrieben, die durch äußere Zwänge, moralische Konflikten und/oder moralischer Unsicherheit bedingt sein kann.
Moral distress hat direkte Auswirkungen für die Betroffen: Er kann im Hinblick auf die Psyche zu Hilfslosigkeitsgefühl, mangelndem Selbstwertgefühl oder Alpträumen führen. Moral distress kann sich auf emotionaler Ebene durch Zorn, Frustration, Schuldgefühlen und Angst zeigen. Sowie sich auf körperlichen Ebene mit Herzklopfen, Durchfall und Kopfschmerzen äußern.
In letzter Konsequenz kann andauernder und sich verstärkender moral distress zu Empathieerschöpfung (coolout) und Burnout (emotionale, psychische und körperliche Erschöpfung) führen. Dies sind zwei der häufigsten Gründe für eine Berufsausstieg in der Pflege. Moral distress wurde erstmalig 1984 durch Jametown für beruflich Pflegende beschrieben. Kann aber alle Berufsgruppen im Gesundheitswesen betreffen.
Der Link zur Podcast-Folge:
Weiterführende Literatur:
Fourie C (2015) Moral Distress and Moral Conflict in Clinical Ethics. Bioethics 29:91–97. https://doi.org/10.1111/bioe.12064
Wöhlke S (2025) Zur Relevanz von moralischem Stress im pflegerischen Alltag und der Notwendigkeit für moralischen Mut. In: Riedel A, Linde A-C (Hrsg) Ethische Reflexion in der Pflege: Konzepte – Werte – Phänomene, 2nd ed. 2025. Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg

Die häufige Fehl- und Unterversorgung von an Myalgischer Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS) Erkrankten verschärft ethische Fragestellungen nicht nur für die Betroffenen und Ihr Umfeld. Die Behandelnden und Pflegenden stehen vor schweren Fragen: Wie mit der diagnostischen Restunsicherheit umgehen? Wie kann in der belasteten therapeutischen Beziehung wieder Vertrauen aufgebaut werden? Wie können wir eine Unterstützung sein, wenn unsere üblichen Möglichkeiten die Betroffenen schaden? Wie können Hoffnungslosigkeit und aufkommende Todeswünsche der Erkrankten adressiert werden? Wie können wir die Selbstbestimmung sichern, wenn uns das Gegenüber durch die eingeschränkte Kommunikation verloren geht? Überwiegt der mögliche Schaden oder Nutzen bei individuellen Heilversuchen und verbreiteten Medikamentenunverträglichkeiten? Wie können wir unter dem Aspekt der Gerechtigkeit die aufwendige Versorgung integrieren und leisten? Die Ethikberatung möchte in der Suche nach verantwortbaren Wegen eine Unterstützung sein.
ME/CFS ist eine schwere neuroimmunologische Multisystemerkrankung. Durch die COVID-19-Pandemie hat sich die Zahl der Erkrankten stark erhöht. ME/CFS-Erkrankte leiden unter einer ausgeprägten Zustandsverschlechterung ihrer Symptome nach geringer körperlicher und geistiger Belastung (post-exertionelle Malaise, PEM). Dazu gehören eine schwere Fatigue (krankhafte Erschöpfung), kognitive Störungen, ausgeprägte Schmerzen, eine Überempfindlichkeit auf Sinnesreize und eine Störung des Immunsystems sowie des autonomen Nervensystems. Ca. ein Viertel der Erkrankten hat einen schweren Verlauf, welcher zu Bettlägerigkeit führt und ggf. eine künstliche Ernährung erforderlich werden lässt.
Deutsche Gesellschaft für ME/CFS e. V.
Postinfektiös Erkrankte Schleswig-Holstein (PiErSH)
D-A-CH-Konsensus-Statement zu ME/CFS
Versorgung von Patient*innen mit schwerem oder sehr schwerem ME/CFS